Wildunfälle: Richtiges Verhalten zur Vermeidung

Wildunfälle Autostraße

In der Herbstzeit steigt das Risiko von Wildunfällen auf den Straßen, weil in dieser Jahreszeit das Rehwild in sein Winterquartier wechselt. Im letzten Jahr kam es laut Statistik Austria zu knapp 300 Wildunfällen mit Personenschaden, fünf Menschen kamen dabei ums Leben, 327 wurden verletzt. Die Steiermark lag mit 62 Unfällen an der zweiten Stelle der Unfallstatistik.

Am größten ist die Gefahr von Wildunfällen in den Morgen- und Abendstunden, weil die Tiere um diese Zeit im Revier auf Nahrungssuche unterwegs sind. Ist die Sicht für den Fahrer beispielsweise durch Nebel beeinträchtig, stellt dies eine zusätzliche Gefahrenquelle für den Lenker dar. Deshalb sollte man besonders bei Dämmerung im Bereich von Wildwechselwarnschildern und bei bekannten Wildwechselstellen besonders aufmerksam und vorausschauend fahren und auf ausreichend Abstand zum Vorderfahrzeug achten. Besonders entlang der Wald-Feld-Kante oder entlang von unübersichtlichen Feldern ist es wichtig, Acht zu geben und die Geschwindigkeit zu reduzieren.

Wie reagieren wenn man ein Tier sieht

Sobald man ein Tier sieht, gilt:

  • Geschwindigkeit reduzieren
  • Fernlicht ausschalten (damit das Tier überhaupt flüchten kann, weil es geblendet ist) und
  • hupen.

Ergreift das Tier die Flucht, sollte man trotzdem vorsichtig sein, weil Wildtiere meist in Gruppen unterwegs sind.

Wenn der Zusammenstoß nicht mehr verhindert werden kann:

  • Riskante Ausweichmanöver sollten stets vermieden werden
  • Stark bremsen und
  • das Lenkrad dabei gut festhalten – ein kontrollierter Zusammenstoß ist besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver.

Wenn ein Unfall mit einem Wildtier passiert ist:

  • Warnblinkanlage einschalten
  • Warnweste anlegen
  • Unfallstelle mit einem Pannendreieck absichern.
  • Eventuell verletzte Personen sofort versorgten
  • Polizei verständigen
  • Verletzte oder getötete Tiere keinesfalls berühren

Rechtliche Bestimmungen bei Wildunfällen: Auf die Größe des Tieres kommt es an

In der Rechtsprechung bestimmt vor allem die Größe des Tieres das juristisch korrekte Verhalten des Lenkers. Wer wegen eines Tieres bremst, riskiert im Falle eines Auffahrunfalls ein Mitverschulden. Bei einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch rechtfertigt die Gefahr für den Menschen eine Vollbremsung.

Als Beispiel: Trifft man mit 50 km/h auf einen 20 kg schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer, bei 100 km/h beträgt die Aufprallwucht bereits zwei Tonnen.

Der ÖAMTC-Jurist Nikolaus Authried zur rechtlichen Situation:

Hasen
Hasen in der Nähe einer Straße

Ist aufgrund der Größe des Tieres eine Vollbremsung für den Nachfolgeverkehr gefährlicher als ein Zusammenstoß mit dem Tier – etwa bei Kleintieren wie Hasen, Wildvögeln und Eichhörnchen – muss man laut Rechtsprechung bei einem Auffahrunfall einen Teil des Schadens selbst begleichen. Dies gilt auch dann, wenn der nachfolgende Fahrer zu wenig Abstand gehalten hat. Eine sich annähernde Gruppe von Wildvögeln (etwa Fasane) kann eine Vollbremsung wiederum rechtfertigen.

Insbesondere bei den Gefahrenzeichen „Achtung Tiere“ und „Achtung Wildwechsel“ ist der Lenker außerdem verpflichtet, die Geschwindigkeit so anzupassen, dass eine folgenschwere Kollision verhindert werden kann. Tipp: bremsbereit fahren.

Wildschutzzäune

Österreichische Autobahnen und Schnellstraßen wurden durchgehend mit Wildschutzzäunen ausgestattet. Das Resultat waren nur fünf schwere Wildunfälle an diesen Straßen. Der überwiegende Teil ereignete sich im unterrangigen Straßennetz.

Verstärkter Einsatz von Wildwarngeräten und Duftstoffen gefordert

Aktuelle Untersuchungen zeigen laut ÖAMTC, dass Wildwarngeräte oder das Anbringen von Duftstoffen, die den Geruch von Mensch, Luchs, Wolf oder Bär nachahmen, die beste Möglichkeit zur Prävention darstellen. Deswegen sollte der verstärkte Einsatz laut dem Verkehrsclub in kritischen Straßenabschnitten in Österreich forciert werden.

Zeitumstellung verschäft das Problem mit Wildunfällen

Durch die Zeitumstellung fällt der Berufsverkehr von einem Tag auf den anderen in die Dämmerung – gerade aber in der Dämmerung sind viele Tiere aktiv. Wo am Vortag es für die Tiere noch sicherer war die Passage auf der Straße zu überqueren, fahren nach der Zeitumstellung mehr Autos. Dadurch kommt es zu mehr Kollisionen im Oktober und November.

1 Kommentar

  1. Kürzlich erst hatte ich gelesen, das Ersthelfer erst Instinktiv handeln. Das hätten Untersuchungen ergeben. Wildunfälle sind zumeist sehr plötzliche Ereignisse. Und überraschen dem Fahrer auf kaltem Fuss. Ich glaube kaum, das Mensch da in der Lage ist zwischen Bremsen oder nicht Bremsen abzuwägen. Er wird mit angrenzender Wahrscheinlichkeit reflexartig in die Bremse treten, wenn es nicht schon längst geknallt hat. Hilft folglich immer nur vorrausschauendes Fahren.

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